5.1 Was ist Video-Aktivismus?

Definitionen

Einige Definitionen, "was Videoaktivismus ist", sind auf dem Treffen des deutschsprachigen Videonetzwerkes in Bochum im Mai 2005 entstanden.


  • "Ich als Videoaktivist versuche, politische Aktionen und Inhalte mit dem Medium Film darzustellen und zu veröffentlichen, um einem Publikum einen 'solidarischen Einblick' in die politische Bewegung zu ermöglichen, abseits von den üblichen, gewohnten, erwartbaren Formaten der etablierten Massenmedien.
    Dabei ist es für mich auch wichtig, einen 'Rahmen' für die Aktionen und Inhalte, anzubieten, der nicht aus einer (körperlichen) Distanz entstanden ist. D.h. ich begebe mich, soweit es geht, 'in' die Aktion und halte nicht von oben drauf.
    Grundsätzlich ist es immer ein Anliegen von mir, mit meinen Filmen auch Menschen zu überzeugen mit meiner Deutung der Dinge, also letztendlich auch zu aktivieren und zu motivieren."

  • "Video-Aktivismus ist für mich ein Forum der politischen Praxis innerhalb demokratischer, sozial-emanzipatorischer Bewegungen. Dabei ist die Produktion von Videos die Aktionsform, mit der gesellschaftliche Verhältnisse untersucht, kritisiert und durchschaubar gemacht werden, und mit der die Formen von Widerstand dagegen propagiert und diskutiert werden.
    VideoaktivistInnen begreifen sich als Teil der Bewegung, die sie darstellen, und fühlen sich deren Zielen und Prinzipien verpflichtet."

  • "Videoaktivismus:
    Mit Hilfe von Film den Menschen Geschehnisse aus einer andern Perspektive berichten: nicht aussenstehend, beobachtend, sondern als Teil dessen, was geschieht. Nicht aus der Distanz heraus, sondern von mittendrin. Dadurch eine Gegenöffentlichkeit erzeugen und auch denjenigen Einzelpersonen, Gruppen und Strömungen eine Stimme verschaffen, die nicht beachtet oder bewusst aus der öffentlichen Diskussion herausgehalten werden. Geschehnisse bewusst von denjenigen Seiten zu beleuchten, die sonst im Hintergrund bleiben, und dadurch die Möglichkeit eröffnen, durch ein ausgewogenes Bild Diskussionen und Auseinandersetzungen voranzubringen oder anzustossen. Gleichzeitig aber auch als Möglichkeit für den/die AktivistIn selbst, Geschehnisse nicht nur durch Fremdinformation kennenzulernen, sondern sie mit eigenen Augen wahrzunehmen und dadurch auch eine emotionalere, offenere und tolerantere Sichtweise zuzulassen und zu ermöglichen."

  • "Videoaktivismus =
    Aus einer politischen Bewegung heraus mit der Videokamera auf Missstände aufmerksam machen. Dabei geht es den AktivistInnen nicht um Bildsprache, Kameraführung, etc., sondern um das Abbilden von politischen Aktionen und Bewegungen. Es entstehen meistens kurze Clips, die für die Bewegung, Szene gemacht werden.
    Leider finden diese Clips, ausser auf bestimmten Seiten im Internet, die auch mehr oder weniger von Insidern besucht werden, kein grösseres Publikum."

  • "Videoaktivismus
    - will informieren, motivieren und aktivieren
    - ist ein Teil der AktivistInnen-Bewegung; die 'Dokumentation' ist nah dran, aus der AktivistInnen-Perspektive, und viel weniger eine distanzierte Beobachtung
    - Video, Kamera und Beamer (und auch Filmsprache, Agitation, Provokation) sind Aktionsmittel, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen"

  • "Videoaktivismus ist das Drehen, Vertreiben und öffentliche Vorführen von Videofilmen, Dokus und auch Clips nach dem Copyleft-Prinzip.
    Er ist kritisch gegenüber privaten und öffentlich-rechtlichen Medien und hat den Anspruch, eigene Kommunikationskanäle aufzubauen.
    Die AktivistInnen verstehen sich selbst als Teil einer sozialen oder politischen Bewegung, die sie durch ihren Videoaktivismus unterstützen und kritisch begleiten oder der sie nach aussen hin mehr Gehör verschaffen wollen.
    Aus dieser Position heraus werden Fragen des allgemeinen Mediendiskurses teilweise anders gestellt und beantwortet, wie etwas am Anspruch der 'objektiven' Darstellung zu sehen ist: aus der leidlichen Erfahrung als links und politisch handelnder Mensch, dessen Erfahrungen den Darstellungen von Massenmedien wiedersprechen oder von ihnen totgeschwiegen werden, fokussiert er betont diese Perspektiven und Positionen."


In "The Video Activist Handbook" benutzt Thomas Harding (Undercurrents) folgende Definition:

  • "A video activist uses video as a tactical tool to bring about social justice and environmental protection.
    In the hands of a video activist, a camcorder becomes a powerful political instrument that can deter police violence. An edit suite becomes a means for setting a political agenda. A video projector becomes a mechanism for generating mass awareness."