2. Ton

Bilder machen nur die Hälfte eines Videos aus, die andere Hälfte ist der Ton!

Ein Beispiel: zwei Menschen lehnen an einer Wand und schauen in den blauen Himmel. Im Hintergund hört man Geräusche von sich brechenden Wellen und die Schreie von Möwen. Sofort assoziieren wir, dass wir uns an der Küste befinden. Wenn wir dann noch die Stimmen von spielenden Kindern hören, denken wir, dass der Strand nicht weit weg ist. Wenn wir die Geräuschkulisse ersetzen durch die Geräusche eines Kriegsschauplatzes mit Explosionen und Schüssen, assoziieren wir eine Kriegssituation. Die beiden Menschen, die an der Wand lehnen, kommen uns vielleicht besonders mutig und cool vor, wie sie da so ruhig an der Wand lehnen.
Das einzige, was wir wirklich sehen, ist die Mauer mit den beiden Leuten. Die Mauer kann überall sein, in einem Hof, in den Bergen oder im Studio. Alles, was wir sonst noch "sehen", verdanken wir dem Ton und unserer Einbildung.


Einen Fehler in der Bildaufnahme (z.B. ein verwackeltes Bild) kann am Schnittplatz manchmal korrigiert werden, aber einen Fehler in der Tonaufnahme nicht (Knistern vom Mikrofonstecker, unerwartete Nebengeräusche während der Aufnahme). Es ist also wichtig darauf zu achten (am besten mit Kopfhörer) und gegebenenfalls Aufnahmen zu wiederholen. Tonfehler wie z.B. ein krasser Übergang, zwei Passagen aus einem Musikstück, die nicht aneinander anschliessen oder sogar ein Tonloch fallen dem Zuschauer/hörer viel schneller auf als ein vergleichbarer Fehler im Bild.

Verschiedene Mikro-Charakteristiken

Die einfachste Mikrofoncharakteristik ist die Kugel. Der Ton wird von allen Richtungen gleich laut eingefangen. Sie ist geeignet, um Gespräche von mehreren Leuten aufzunehmen.
Ein Mikro mit Nierencharakteristik ist ein häufig benutztes Model. Wenn es bei Interviews benutzt wird, ist es wichtig, daran zu denken, dass das Mikro auf denjenigen, der gerade spricht, gerichtet wird, damit soviel Ton wie möglich eingefangen wird. Das gilt also auch für denjenigen, der/die die Fragen stellt.
Das Richtmikrofon (Keulencharakteristik) hat ein sehr enges 'Bündel'. Es ist deswegen sehr geeignet, um Ton von einer bestimmten Quelle aufzunehmen, ohne allzuviele Nebengeräusche miteinzufangen. Aber wegen des engen Bündels ist es auch wichtig, es sehr genau auf die Quelle zu richten. Es gibt starke Richtmikros, die auch geeignet sind über sehr grossen Abstand Ton aufzunehmen (z.B. Abhörmikros).
Es gibt Mikros mit einer speziellen Charakteristik, wie z.B. die hier gezeigte Acht. Sie sind vor allem interessant für sehr spezifische Aufnahmesituationen. Solche Mikros sind nicht geeignet, um sie Allround zu benutzen.


Praktische Tips

  • Vor dem richtigen Drehbeginn immer eine Probeaufnahme machen und dabei auch den Ton kontrollieren. Also nie den Kopfhörer vergessen!
  • Das Mikro immer ruhig halten. Mikrofone nehmen vieles wahr, auch das Spielen mit dem Kabel oder Hin- und Herwedeln mit dem Mikro.
  • Grundsätzlich muss das Mikro immer so nah wie möglich ran die Tonquelle (aber so, dass es nicht im Bild zu sehen ist). Mit den meisten Mikros ist es nicht möglich einzuzoomen. (Es gibt auch Richtmikros mit Zoom-Funktion, sind aber teuer.)
  • Kameramikros nehmen oft zuviel Geräusche drumherum mit auf. Darum sollte bei zielgerichteten Tonaufnahmen möglichst ein externes Mikro nenutzt werden. Das Kameramikro eher für atmosphärischen Ton einsetzen ("Atmo"). Darüberhinaus ist es in manchen Situationen besser mit einem externen Mikro zu arbeiten, weil das interne (Kamera-) Mikro auch Geräusche von der Kamera selber aufnimmt (Bandlaufwerk, Zoommotor).
  • Für Atmo-Aufnahmen kann auch ein Audio-Recorder benutzt werden.
  • Mehr Atmo-Aufnahmen machen - genau wie extra Bildsequenzen sind extra Atmo-Aufnahmen sehr nützlich beim Schnitt.
  • Darauf achten, dass der Ton kontinuierlich aufgenommen wird - ansonsten entstehen "Tonlöcher". Vor allem wichtig beim Aufnehmen von Konzerten, aber auch bei Demos (Redebeiträge).
  • Bei Interviews: die Fragen des Interviewers können nach dem Interview nochmal separat aufgenommen werden (weil sie z.B. schlecht verständlich waren).
  • Wenn du eine Handlung aufnimmst, solltest du vor der Aufnahme den Handlungsablauf kennen, damit du die Handlung gleichmässig mit Kamera und (externem) Mikrofon begleiten kannst.
  • InterviewpartnerInnen bitten, in der Antwort die Frage mitaufzunehmen.
  • Offene Fragen (w-Fragen: was, wo, wer?) stellen, auf die nicht mit 'ja' oder 'nein' geantwortet werden kann.


Mikros für verschiedene Gelegenheiten

  • Ein Ansteckmikro kann eine gelungene Lösung sein, allerdings nur dann, wenn sich der/die Interview-PartnerIn (oder andere DarstellerInnen) nicht viel bewegt. Dann besteht nämlich die Gefahr, dass sich das Kabel verheddert bzw. das Mikro abgerissen wird.
  • Ein Tisch-Mikro kann eine elegante Lösung für eine Gesprächssituation sein. Das Tisch-Mikro kann auch durch einen anderen Gegenstand auf dem Tisch verdeckt werden. Auch ein Ansteckmikro lässt sich als Tisch-Mikro verwenden, z.B. an der Tischdekoration festgemacht.
  • Wenn sich die Interview-PartnerInnen (oder andere DarstellerInnen) viel bewegen, kann man entweder mit zwei Deckenmikros (und einem Mischer) arbeiten, die jeweils einen Teil des Raumes abdecken. Oder aber mit der Angel. Dann braucht man auf jeden Fall eine zweite Person, die hilft!
  • In den meisten Situationen ist es nicht gewünscht, dass das Mikro im Bild zu sehen ist, aber trotzdem muss das Mikro so nah wie möglich an die Quelle. Auch hier ist eine Angel, an der das Mikrofon befestigt ist, hilfreich.
  • Eine Angel kann einfach improvisiert werden mit einem Plastik- oder Alurohr oder einer Antenne, an der ein (Ansteck-) Mikro festgeklebt wird.