4. Schnitt

Das Hintereinandersetzen einzelner Videoseqenzen wird Videoschnitt oder auch Editing genannt.


Analoger Schnitt

Beim analogen Schnitt werden die Videoaufnahmen mit zwei Videorecordern von einem Tape zum andern kopiert. Für einen sehr präzisen Schnitt sind hochwertige Videorecorder notwendig, die es möglich machen, bis auf einen Frame genau zu schneiden (1 Frame entspricht 1/25 Sekunde).
Beim analogen Schnitt wird linear von Anfang bis Ende des zu erstellenden Videos gearbeitet. Es ist nicht möglich, später am Anfang noch eine Seqenz einzufügen oder z.B. die Länge einer Sequenz zu verändern. Deswegen ist bei dieser Art von Schnitt, der auch "Linearer Schnitt" genannt wird, wichtig, vorher genau zu überlegen, welche Sequenzen in welcher Länge und Reihenfolge hintereinander auf das Mastertape gespielt werden sollen. Für diese Planung ist ein Schnittprotokoll sehr wichtig.



Digitaler Schnitt

Heutzutage ist es möglich, am normalen PC Video digital zu bearbeiten. Die Rechenleistung, die notwendig ist, um grosse Datenmengen zu berechnen, ist bezahlbar geworden. Wir konzentrieren uns in diesem Reader auf den digitalen Schnitt.

Die Videoseqenzen, die für das zu erstellende Video benutzt werden sollen, müssen in den Rechner geladen werden. Beim Schneiden am Rechner werden die Sequenzen nicht physisch aneinandergereiht, wie es beim analogen Schnitt der Fall ist. Der Rechner erstellt ein Protokoll, welche benutzt wird, um das Video, was erstellt wird, wiederzugeben (und um es z.B. auch wieder aus dem Rechner auszuspielen). Eigentlich ist das Schneiden das Erstellen dieses Protokolls (mit visueller Unterstützung) im Rechner - der Rechner berechnet danach das Video aus diesem Protokoll.

Die Szenen können während des Schnitts auf die richtige Länge gebracht und hintereinander gesetzt werden, es können Titel erstellt und Übergänge oder eine Nachvertonung gemacht werden, d.h. nachträglicher Kommentar kann eingesprochen oder Musik eingespielt werden.
Bei dieser Art von Schnitt ist es möglich, die Reihenfolge von Szenen, die schon hintereinander gesetzt sind, zu verändern: eine Szene kann irgendwo zwischengefügt oder entfernt oder die Länge verändert werden. Durch diesen nicht-linearen Schnitt entsteht eine grössere Flexibilität. Dadurch wird allerdings auch die Gefahr grösser, dass sich jemand ohne Vorüberlegung an den Rechner setzt und beliebige Szenen des aufgenommenen Materials in den Rechner zieht und aneinander reiht. Für kurze Sachen ist das vielleicht nicht so problematisch, aber wenn es um die Produktion einer längeren Dokumentation geht, macht es Sinn, vorher ein Schnittprotokoll zu erstellen.


Praktische Tips

Bevor wir zum Schnittprotokoll kommen, hier noch ein paar Tips, die zum Teil schon im Kapitel 1.4 Kameraführung genannt worden sind.
Schon während der Aufnahme ist es wichtig, an den späteren Schnitt zu denken. Einige Fehler können hinterher nicht mehr korrigiert werden.

  • Bevor die Szene anfängt, die aufgenommen werden soll, das Band ca. 5 Sekunden aufnehmen lassen. Soviel Zeit braucht die Kamera, um absolut ruhig zu laufen. Auch um Übergänge zwischen zwei Szenen zu schneiden, werden ein paar Extra-Sekunden gebraucht.

  • Nachdem die Szene abgelaufen ist, das Band noch 5 Sekunden weiterlaufen lassen. Manche Kameras drehen das Band ein bischen zurück, bevor die nächste Aufnahme anfängt. Die 5 Sekunden sind der "Sicherheitsabstand". Desweiteren werden ein paar Sekunden beim Schneiden von Übergängen gebraucht.

  • Lieber eine Szene ein paar Mal wiederholen. Die meisten Aufnahmen kann man nachträglich nicht noch einmal machen, darum lieber einmal zuviel als zuwenig. Beim Sichten kann dann die beste Aufnahme ausgewählt werden.

  • Zwischendurch immer wieder mal Detail- oder Atmo-Aufnahmen machen. Wenn sich ein Wackler oder ein Bildsprung eingeschlichen hat, kann man diesen mit so einer Aufnahme "abdecken".

  • Bildausschnitte aus verschiedenen Perspektiven drehen. Das macht den Schnitt hinterher einfacher und und das Video interessanter. Aber: ein Schnitt von sehr unterschiedlichen Einstellungsgrössen (z.B. Totale auf Nahaufnahme) ist ein zu grosser Sprung, der Zuschauer verliert das Raumgefühl. Lieber in mehreren Zwischenschritten.

  • Nicht in einen Zoom oder Schwenk schneiden! Erst schneiden, wenn die Bewegung abgeschlossen ist.

  • Viele kurze Schwenks, Zooms, Bildauschnitte hintereinander machen den Film sehr unruhig. Es wird für den Zuschauer schwierig, die Konzentration zu behalten.