4.1 Schnittprotokoll

Bandprotokoll

Von den Videoaufnahmen sollte ein Bandprotokoll erstellt werden. Am besten kann die Kamera oder ein anderes Abspielgerät an einen Fernseher (grossen Monitor) angeschlossen werden. Die meisten Kameras können so eingestellt werden, dass die Aufnahmezeit im Bild wiedergegeben wird. Es ist praktisch, auf Papier mitzuschreiben, am besten in einer Liste. Diese Liste könnte so aussehen:

Tape #4 : Anti-Bush Demo in Mainz

Nr.
Timecode Umschreibung Anmerkung
1
00.20 - 01.05
Fronttransparent aus Froschperspektive zuviel Menschen laufen durchs Bild
2
- 01.30
Papp-Panzer fährt vorbei, Totale benutzbar
3
- 02.18
Hüpfende Leute: 1, 2, 3 .... Gute Stimmung
4
- 02.52
Plakate: Kriegsverbrecher Nr. 1 Zentrale Aussage !
5
03.33 - 06.45
Redebeitrag am Rathaus Zuviel Nebengeräusche
6
07.13 - 08.10
Demo läuft weiter - Vogelperspektive Schöner Überblick
7
08.15 - 08.48
Interview mit Demoteilnehmerin Starke Aussage

Mit diesem Bandprotokoll können die richtigen Szenen ausgesucht werden, die im Drehbuch oder, weniger ausführlich, im Storyboard beschrieben worden sind.

Natürlich kann es auch sein, dass es gar kein Storyboard oder Drehbuch gab. Manchmal ist es dann ganz schwierig, um aus dem aufgenommenen Material ein nettes, informatives oder unterhaltsames Video zusammenzuschneiden. Natürlich ist es nicht immer möglich, vorher alles in einem Drehbuch festzulegen, z.B. beim Filmen von Demonstrationen oder Aktionen. Trotzdem ist es wichtig, vorher ein paar Überlegungen zu machen, was auf jeden Fall gefilmt werden soll. Das kann z.B. ein Kurzinterview sein über das was passiert, einige Totalen, um die Grösse der Demo zu zeigen, Detailaufnahmen, um das Ganze ein bischen aufzulockern, Ortschilder, um den Zuschauern eine Orientierungsmöglichkeit zu geben. Es ist auch wichtig, vorher zu überlegen, wer das Zielpublikum sein wird. Anhand dieser Überlegungen und des Bandprotokolls kann dann das Schnittprotokoll gemacht werden.


Schnittprotokoll

Das Schnittprotokoll ist eine Liste mit den verschiedenen Szenen, aus denen das Video zusammengesetzt werden soll, deren Reihenfolge und Länge. Welche Interview- Teile benutzt werden sollen, ob die InterviewpartnerInnen die ganze Zeit im Bild zu sehen sind oder ob, und wenn ja, welche Bilder über das Interview gelegt werden sollen. Welche Musik benutzt wird und wo, und wie laut die Tonspuren sein sollen.
Auch Überblendungen zwischen den Szenen werden aufgelistet, welche benutzt werden sollen und wie schnell sie sind.
Titel und Abspann, alles soll drin stehen.

Wie ausführlich das Schnittprotokoll ist, ist unterschiedlich. Für eine kurze Reportage kann es ausreichen, nur ein paar Notizen zu machen, für ein längeres Video macht es oft Sinn, mehr aufs Papier zu setzen. Mit einem ganz genauen Schnittprotokoll kann auch jemand schneiden, der/die gar nicht an den Aufnahmen oder dem Ausdenken des Drehbuchs beteiligt war. Wenn die gleiche(n) Person(en) an der ganzen Arbeit beteiligt sind, muss das Protokoll nicht ganz genau sein, am Schnittplatz können bestimmte Sachen dann ausprobiert werden, usw.

Anhand des Schnittprotokolls können dann die benötigten Szenen in der Rechner gezogen werden. Auch wenn die Festplatte gross genug ist, ist es besser, nur kurze Szenen in den Rechner zu ziehen. Dadurch muss hinterher nicht endlos in einer Szene gesucht werden nach dem Stück, das benutzt werden soll. Darüberhinaus macht es Sinn, den Szenen nachvollziehbare Namen zu geben.


Schneiden in Runden

Manchmal ist es sehr nützlich, erst einen Rohschnitt zu machen. Das ist das grobe Gerüst des Videos. In dieser Rohfassung sind alle Hauptbestandteile, die das Video ausmachen. Wenn nicht von Anfang an klar ist, welche Musik für das Video benutzt wird, ist es spätestens nach dem Rohschnitt angesagt, sich zu entscheiden. Der Feinschnitt wird auf den Rhytmus der Musik gemacht.

Aber ist das Video auch verständlich für dein Zielpublikum? Zeig es jemandem! Der Final Cut wird erst nach verschieden Runden gemacht.