1.5 Licht


Manchmal müssen die Motive zusätzlich beleuchtet werden, weil die Kamera mehr Licht zur optimalen Bildwiedergabe braucht als unsere Augen. Wenn zuwenig Licht da ist, werden die Farben grau, das Bild beginnt zu "Grieseln" und wird unscharf.


Die Lichtgestaltung richtet sich nach dem Licht, wie es von der Natur vorgegeben wird. Das stärkste Licht ist das Sonnenlicht. Es kommt von oben und wirft einen deutlichen, tiefen Schatten. Andere Lichtquellen ordnen sich der Sonne unter und sind schwächer, werfen auch einen schwächeren Schatten. Nach diesen Prinzipien wird künstliches Licht gesetzt; es wird beurteilt nach der Art der Schatten, die es wirft.

Es wird unterschieden zwischen hartem und weichem Licht. Hartes Licht kommt von einer direkten Lichtquelle. Es kann zielgenau ausgerichtet werden, es modelliert Oberflächen und es wirft klare Schatten. Schatten und Kontraste wirken jedoch manchmal zu hart.

Weiches Licht wird von einer weissen oder spiegelnden Fläche reflektiert. Es wirft keine unerwünschten Schatten, sondern hilft, Schatten aufzuhellen. Ausserdem kann es einen grösseren Bereich eines Raumes aufhellen. Die Helligkeit nimmt jedoch rapide ab bei weiterer Entfernung von der Lichtquelle. Ausserdem verflacht indirektes Licht die Konturen.


Basics

Hier ein paar grundlegende Begriffe und Regeln für Licht setzen:

Das Grundlicht ist das allgemeine Licht der Deckenbeleuchtung oder hereinfallendes Tageslicht (offenes Fenster, Tür, etc). Es signalisiert die Grundstimmung des Bildes und die Tageszeit.

Das wichtigste Licht ist das Führungslicht. In einer Anordnung von mehreren Beleuchtungskörpern ist das Führungslicht immer das Hauptlicht, die stärkste Lichtquelle. Die Richtung, aus der das Führungslicht kommt, begründet sich aus dem Grundlicht. Das Führungslicht modelliert durch seinen Schatten ein wichtiges Bildmotiv und erzeugt Bildtiefe.
Das Aufhelllicht oder Fülllicht dient zur Kontrastminderung der beleuchteten (und daher schattigen) Motive. Es muss schwächer sein als das Führungslicht. Wenn gleichstarke Lampen verwendet werden, wird der Abstand zum Motiv geändert (doppelter Abstand ist vierfacher Lichtverlust). Oder ein Reflektor wird eingesetzt (weiches Licht: Lichtstrahler gegen eine weisse Wand richten), wodurch eine annähernd schattenlose Aufhellung möglich wird. Wichtig ist, dass nicht mehrere Schatten entstehen.
Das Hintergrundlicht ist ein Distanzlicht und erzeugt daher Bildtiefe. Es setzt das Objekt vom Hintergrund ab oder hebt Einzelheiten des Hintergrundes hervor.


Wenn mehr Beleuchtungskörper vorhanden sind, ist es möglich, den Hintergrund noch besser auszuleuchten oder Details bei den Darstellern hervorzuheben; ansonsten reicht die Drei-Punkt-Beleuchtung.
(Wenn es kein extra Licht gibt, ist es auch möglich, in vorhandenen Fassungen Glühbirnen mit einer höheren Wattzahl reinzuschrauben. Das funktioniert aber nur für einen kurzen Zeitraum, sonst überhitzen die Fassungen.)

Wichtig ist vor allem, darauf zu achten, dass es nur einen Schatten gibt, oder wenn es mehere gibt, deutlich zu machen, wo sie herkommen (bei Aussenaufnahmen z.B. die Strassenlaternen ins Bild bringen).
Ausserdem ist ein Schlagschatten, der mitten über ein Gesicht fällt, zu vermeiden (der entsteht, wenn das Licht direkt von der Seite kommt); ebenso zu vermeiden sind tiefe Schatten unter den Augen (entstehen durch eine Lichtquelle direkt von oben). Wenn die Lichtquelle in der Nähe der Kamera plaziert ist und frontal von vorne kommt (z.B. durch eine aufgesetzte Kamera-Leuchte), wirkt alles platt und konturenlos.
Daraus ergibt sich für die Beleuchtung von Personen, dass das Licht ein bischen seitlich von der Nase und etwas höher als die Augenlinie angesetzt sein sollte. Wenn der Darsteller jedoch häufig den Kopf bewegt, muss ein Kompromiss gefunden werden.


Reflektoren

Reflektoren bieten eine Möglichkeit, vorhandenes Licht besser auszunutzen. Ein Reflektor ist einfach eine ebene Fläche, z.B. ein Holzbrett oder eine Plastikscheibe, die mattweiss gestrichen oder mit Metallfolie beklebt ist (am besten ist es, beide Seiten zu nutzen). Metallfolie reflektiert Licht nur in einem bestimmten Winkel, dafür aber auch über eine grössere Entfernung. Eine weisse Fläche reflektiert Licht in einem grösseren Winkel, aber nur über eine kleinere Entfernung, es ist viel schwächer.
Je näher man an ein Motiv mit der Kamera rangeht und je kleiner also der Bildausschnitt ist, desto kleiner kann auch der Reflektor sein (manchmal wirkt schon ein Blatt weisses Papier).


Beleuchtung mit einer Lampe

Wenn nur eine Lampe zur Beleuchtung einer Szene zur Verfügung steht, diese als Führungslicht einsetzen, und in einem Winkel von ca. 20 Grad links oder rechts von der Kamera aufstellen. Weiches Licht verhindert allzu harte Kontraste von beleuchteten und unbeleuchteten Stellen im Bild.

Wenn eine Szene schon genügend Grundlicht hat (z.B. draussen), kann die einzige Lampe für verschiedene Zwecke eingesetzt werden (Führungs-, Füll- oder Hintergrundlicht), je nach Bedürfnissen.


Achtung! Wenn mit Licht gearbeitet wird, immer dafür sorgen, dass Stative gut gesichert (z.B. mit Gewicht), dass Kabel und Lampen gut befestigt sind, dass das Elektrizitätsnetz nicht überlastet wird und die Sicherungen nicht rausknallen; dass die Lampen Nichts in Brand stecken können und nicht in Kontakt mit Wasser kommen können!