3.1 Expose, Storyboard, Drehbuch

Bei der Produktion eines Filmes unterscheidet man folgende Schritte:

Idee: Grundgedanke für eine Produktion

Exposé: Idee ausformulieren. Inhalt, Form, Zweck und Zielgruppe der Produktion werden kurz dargestellt. Was will ich aussagen? Wen will ich damit erreichen? Bei professionellen Produktionen unterscheidet das Exposé über die Realisierung.

Recherche: Sammeln von Informationen und Materialien für die Produktion - sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Welche MitarbeiterInnen werden gebraucht? Wo und wann soll gedreht werden? Werden Drehgenehmigungen gebraucht? Wo kommt die Technik (Kamera, Licht, Ton) her?

Storyboard / Treatment: Ausführliche Inhaltsangabe mit Unterteilung der Handlung in einzelne Sequenzen. Die Handlung wird aufgebrochen in einzelne Kamera-Einstellungen. Textpassagen werden schriftlich fixiert, bei schwierigeren Szenen werden aufnahmetechnische Überlegungen eingearbeitet.

Drehbuch: enthält alle planbaren Daten für die Filmarbeit - von Listen der DarstellerInnen und des MitarbeiterInnenstabes über die einzelnen Szenen und Einstellungen in der Reihenfolge, wie sie gedreht werden (also Drehorte und -zeiten), bis zu genauen technischen Anweisungen und Skizzen.

Wie exakt das Drehbuch ist, hängt davon ab, wie aufwendig die geplante Produktion ist. In der Regel reicht ein gut durchdachtes Storyboard (Ablaufplan) aus. Das Storyboard hilft, das Team, das an der Produktion mitwirkt, zu koordinieren. Darum sollte das Storyboard auch vor dem Drehen zusammen durchgesprochen werden, denn je mehr Leute an einer Produktion beteiligt sind, desto undeutlicher können Szenenabfolgen für einzelne Leute werden. Je besser alle Beteiligten über die Handlungsabläufe Bescheid wissem, desto besser können sie sich einbringen. Diskussionen am Drehort können sehr zeit- und nervenaufreibend sein.

Script: Beim Dreh werden genaue Notizen gemacht zu den einzelnen Einstellungen, damit bei der Nachbearbeitung nicht stundenlang gesucht werden muss. Dieses Script kann auch beim Sichten des Materials als Bandprotokoll mit Timecode gemacht werden.

Schnittplan: Das ist der Plan, wie die einzelnen Szenen aneinander geschnitten werden sollen. Mit diesem Plan erstellt der Editor dann das Video.


Beispiele

Die Idee ist, eine Persiflage zu drehen über die Integration von AusländerInnen.

Das Expose könnte so aussehen:
Im Kurzfilmformat soll eine Persiflage über die Integration von AusländerInnen gedreht werden. Eine junge Frau bekommt eines Morgens ein Schreiben von der Ausländerbehörde, mit dem sie aufgefordert wird, einige Aufgaben für ihren Integrationsbescheid zu erfüllen: sie soll ein Gespräch mit einem Unbekannten deutscher Nationalität führen, einen typisch deutschen Einkauf in einem Supermarkt machen, etc. Durch diese Beispiele wird die deutsche Leitkultur auf die Schippe genommen. Es wird lächerlich gemacht, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen beweisen muss, das sie integriert sind.

Die Recherche:
Darsteller: die junge Frau, ein/e Unbekannte/r, Personal oder andere Kunden im Supermarkt, BesucherInnen einer Sportveranstaltung, TeilnehmerInnen einer geselligen Veranstaltung, Bedienung im Restaurant
Drehorte: wo sollen die verschiedenen Situationen aufgenommen werden? (Wohnung, Supermarkt, Restaurant, etc.) Ist es notwendig, für eine der Locations eine Drehgenehmigung anzufragen?
Technik: Kamera, mindestens 2 Akkus für Aussenaufnahmen, Mikrofon, Stativ; extra Licht für Innenaufnahmen notwendig? wo kommt der Strom für Scheinwerfer her? Kabeltrommel?
Filmteam: Kamera, Ton, Licht, Regie, (Script)

Alle Überlegungen werden im Storyboard zusammengefasst.

Das Storyboard:

Nr. Szene Inhalt Anmerkungen
1 Protagonistin liegt im Bett; der Wecker klingelt; P. wird mit Mühe wach und macht den Wecker aus; steht auf und schlurft aus dem Zimmer.

Szene wird von mehreren Standorten und mit mehreren Einstellungsgrössen aufgenommen; die Perspektive wechselt zwischen Frosch- und Vogelperspektive und Augenhöhe
2 P. putzt sich im Badezimmer die Zähne.

3 P. geht aus dem Haus, öffnet den Briefkasten und findet einen Brief. Sie öffnet ihn, liest leise vor sich hin und murmelnd etwas von "Integrationsbescheid".

4 im Park; ältere Frau sitzt auf Parkbank: P. läuft ins Bild und beginnt ein Gespräch: "Hallo", ältere Frau: "Hallo", P: "Wie gehts?"

Gesprächssituation wird durch Schuss und Gegenschuss aufgenommen
... usw. ...



Praktischer Hinweis:

Wenn man mit nur einer Kamera arbeitet, muss die Handlung für die einzelnen Einstellungsgrössen und Perspektiven wiederholt werden. Dafür ist es am besten, die Handlung erst einmal komplett mit einer langen Einstellung aufzunehmen und dann die einzelnen Sequenzen für die jeweiligen Variationen wiederholen zu lassen.